Vergebene Liebesmüh?

Das Online-Debattenmagazin The European steht wie sein Print-Ableger vor dem Aus. Eigentlich sehr schade, auch wenn nicht jeder veröffentlichte Artikel mein Interesse und nicht jeder mich interessierende Beitrag auch meine persönlichen Ansicht traf. Vielfach waren sogar die Kommentarschlachten darunter erkenntnisreicher als der eigentliche Auslöser. Aber das ist auch auf anderen Plattformen so.

Bevor nun die Lichter ausgehen, noch einmal ein Lesetip. Mein FDP-Parteikollege Hasso Mansfeld analysiert in „Die Partei, die Partei, die Partei“ sehr treffend einige grundlegende Fehlentwicklungen, die wohl jedem, der sich in einer politischen Partei engagiert, arg vertraut vorkommen werden. Und das völlig unabhängig davon, welches Mitgliedsbuch nun das jeweilige ist. Ergänzend zum Text an dieser Stelle ein paar persönliche Anmerkungen.

In diesem Sommer jährt sich mein Parteieintritt zum dritten Mal. Ich bin also ein Seiteneinsteiger ohne die vielfach anzutreffende absolvierte „Ochsentour“ durch allerlei Nachwuchsorganisationen und Parteiposten. Ob es diese in der FDP zwangsweise braucht, vermag ich nicht recht einzuschätzen, zumindestens habe ich bei den sächsischen JuLis weder das Gefühl, es mit einem Haufen Karrieristen zu tun zu haben, noch sind unsere tatsächlich sehr aktiven Nachwuchsmitglieder bei allen über den Parteimainstream hinausreichenden Vorschlägen derart radikal, dass sie scheinbar der falschen Partei zugehörig scheinen. Das  ist dann doch eher bei den Jusos der Fall.

Was aber in meiner persönlichen Erfahrung deckungsgleich mit den im Artikel angeprangerten Missständen ist, sind die Vorgänge auf den Parteitagen. Meine erste Veranstaltung auf Landesebene war die Löbauer Landesdelegiertenkonferenz zur Aufstellung der Landtagskandidaten im Februar 2014. Für mich war das neu und aufregend, deshalb blieb ich auch ganz bis zum Schluss. Was dazu führte, dass ich irgendwann einen Riesenstapel Stimmkarten vor mir zu liegen hatte, wie oft ich die Worte „Du bleibst noch? Dann kann ich dir ja meine Stimme übertragen“ gehört habe, weiß ich nicht mehr. Ich weiß nur noch: Sehr oft.

Natürlich will jedes Neumitglied erst einmal die Welt einreißen. Ohne einen gewissen idealistischen Drang tritt in Zeiten der Unverbindlichkeit auch niemand mehr in eine Partei ein. Doch ziemlich schnell wird man auf ein- oder besser festgefahrene Strukturen stoßen, die allem Neuen gegenüber erst einmal misstrauisch sind. „Haben wir immer so gemacht“ ist okay, solange es sich um ein Erfolgsmodell handelt. Ist dem aber nicht so, sollte man auch als „alter Hase“ Veränderungen zumindestens aufgeschlossen gegenüber stehen.

Die Fälle, in denen ich die von Hasso Mansfeld beschriebenen Widerlichkeiten des Parteilebens erlebt oder wahrgenommen habe, sind glücklicherweise nicht sonderlich zahlreich. Ich weiß aber, dass es sie gibt. Mal treten sie offen zu Tage, mal finden sie im Dunkeln statt. Dass sie mir gehörig auf die Nerven gehen, teilen aber beide Varianten. Dankenswerterweise hat mich das  bisher Erlebte aber noch nicht abgeschreckt, die Motivation ist daher immer noch intakt. Eingedenk der von Hasso vorgeschlagenen interessanten Reformansätze sage ich mal, den großen Philosophen Oliver Kahn zitierend: „Immer weiter! Immer weiter!“

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