Kopf —> Tisch im Akkord UPDATE!

Das vergangene Wochenende bescherte mir in meinem Lesestoff wieder allerlei zur Fassungslosigkeit anregende Dinge und zwar manchmal sogar dann, wenn sie nur in ein oder zwei Sätzen eines Artikels versteckt sind, wie das erste Beispiel zeigt. Ausgangspunkt ist ein Artikel auf ZEIT Online, in dem der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) anregt, aufgrund des akuten Mangels an Unterkünften im Westen Asylbewerber abweichend vom Königsteiner Schlüssel verstärkt im vom Wohnungsleerstand geprägten Osten unterzubringen. Ähnliche Überlegungen gibt es in Hamburg, wo man an die benachbarten Bundesländer denkt. (Ablehnende) Reaktionen aus der Landespolitik sind bereits eingegangen, diese sollen aber, wie auch Kretschmanns Vorschlag, gar nicht das Thema dieses Blogartikels sein. Der Mund blieb mir beim Lesen des Artikels an einer ganz anderen Stelle offen stehen, als es von Seiten der Vorsitzenden der Amadeu Antonio Stiftung, Anetta Kahane, heißt:

„Im Osten gibt es gemessen an der Bevölkerung noch immer zu wenig Menschen, die sichtbar Minderheiten angehören, die zum Beispiel schwarz sind.“ … Es sei „die größte Bankrotterklärung der deutschen Politik nach der Wende“ gewesen, dass sie zugelassen habe, „dass ein Drittel des Staatsgebiets weiß blieb.“

Das ist Rassismus pur, man stelle sich die Reaktionen vor, wenn man nur die entsprechenden gesellschaftlichen Gruppen austauscht. Und was nun? Zwangsansiedelung oder andere Eingriffe der Politik in die Bevölkerungsstruktur? Das ist schon einmal versucht worden, in ziemlich ekelerregenden Zeiten des 20. Jahrhunderts. Wie sehr sich rechts und links doch gleichen. Aber das ist ja nicht erst seit gestern so…

Damit zu Beispiel Nummer Zwo. Jürgen Todenhöfer. Muss ich noch mehr sagen? Schon erstaunlich, wie sich ein ehemaliger CDU-Bundestagsabgeordneter zur Lichtgestalt der deutschen Linken entwickelt hat. Ähnlich häufig geteilt bekomme ich auf Facebook nur Gregor Gysi und Konstantin Wecker zu sehen. Da geht eigenes Sendungsbewusstsein mit einer unerschütterlicher Selbstgewissheit einher. Ich habe mir kürzlich ein Radiointerview mit dem selbsternannten Erklärer des IS angehört, Fremdschämmomente gab es offensichtlich nicht nur bei mir, sondern auch beim Moderator. Die seltsame Fanallianz zwischen (zumeist atheistischen) Linken und gläubigen Muslimen kann ich mir nur wie folgt erklären: Hauptsache, gegen Amerika, Hauptsache gegen Israel, den Rest biegen wir uns so zurecht, wie es passt. Nun kann man darauf mit rhetorisch scharfer Klinge antworten wie Claudio Casula oder die Ruhrbarone. Man kann aber auch die neueste Unglaublichkeit belegen wie Gerd Buurmann – es ist und bleibt widerlich, was Todenhöfer da absondert. Aber hey, wir sind ja an allem, was weltweit schief läuft, selbst schuld! Diese seltsame Sehnsucht zur Selbstbezichtigung gibt es in geballter Form in der Kolumne von Jakob Augstein und wird auf „Franks gesammeltes Halbwissen“ in zwei sehr lesenswerten Beiträgen etwas näher beleuchtet:

Im Land der Masochisten: Wir sind an allem schuld!

Im Land der Masochisten: Wir sind an allem schuld! (Teil 2)

Die Woche fängt ja gut an.

Update, 22.07.: Etwas ausführlicher und pointierter hat sich sichtplatz.de dem ersten Beispiel meines Artikels gewidmet:

Mehr Pigmente für den Osten

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