Und willst du nicht meiner Meinung sein… UPDATE!

Den Ausspruch „Der größte Lump im ganzen Land, das ist und bleibt der Denunziant“ hat wohl jeder schon einmal gehört, auch wenn überwiegend Unwissen über die Urheberschaft herrscht. Aber völlig unabhängig davon, aus wessen Feder vorangestelltes Zitat nun am Ende stammt, ist doch der Inhalt der Entscheidende. Und hier registriere ich verstärkt einen – gerne auch internetgestützten – Trend zur Verunglimpfung, Rufschädigung und ja, auch Denunziation. Ob dadurch vereinbarte Termine einseitig gekündigt werden, wie bei der ehemaligen DDR-Bürgerrechtlerin Vera Lengsfeld oder gleich mit handfestem Einsatz verhindert werden, wie hier oder hier.

Ein besonders perfides Vorgehen spielt sich derzeit an deutschen Unis ab, ich hatte das vor einigen Wochen bereits einmal thematisiert. Der UNI SPIEGEL hat das jetzt in einem ausführlichen Beitrag geschildert und sich dafür auch mit einem der anonymen Blogger getroffen:

Bloggende Studenten:  Die Professoren-Stalker

Mich lässt der Artikel ziemlich fassungslos und wütend zurück. Die Bezeichnung als „erbärmliche Feiglinge“ des unter anderem betroffenen Politikwissenschaftlers Herfried Münkler trifft es voll und ganz. Bezeichnend auch das Ausbleiben einer großen Protest- bzw. Solidarisierungswelle. Nicht von Seiten der Hochschulen, nicht aus der Politik. Das große Schweigen im Walde. Ist das nur Gleichgültigkeit? Oder schon eine heimliche Zustimmung, gerade wenn es gegen unbequeme Geister geht?

Einer der am meisten missbrauchten Kampfbegriffe der aktuellen Tagespolitik ist das Wort Toleranz. Ganz sicher bedeutet das nicht widerspruchsloses Hinnehmen, sondern vielmehr, wie der lateinische Wortursprung tolerare (erdulden, ertragen) nahelegt, die Zur Kenntnisnahme und Aushaltung der Existenz abweichender Meinungen. Die darf man kritisieren, ablehnen, auch richtig doof finden, sie jedoch unter Bruch grundgesetzlicher Rechte aktiv zu bekämpfen, kollidiert ganz gewaltig mit meinen persönlichen Wertvorstellungen. Dass es bei öffentlich laut beklatschten Akten von „Zivilcourage“ (noch so ein nicht selten komplett unpassend verwendeter Begriff) nicht selten mit einem gerüttelten Maß an Bigotterie zugeht, kann man aus dem offenen Brief Achim Hechts an den T-Shirt Shop Spreadshirt ablesen. Unbedingt das im ersten Kommentar verlinkte Twitter-Bild anschauen!

Update, 17.07.: Dazu passend der heutige Artikel des Kabarettisten Dieter Nuhr, mit dem ich persönlich bis vor ein paar Monaten gar nichts anfangen konnte, der mir aber mit seinem vehementen Einsatz für die Meinungsfreiheit, trotz Gefährdung seiner eigenen Person immer mehr imponiert.

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