Quod erat demonstrandum

Manchmal holt die Realität das geschriebene Wort im Sauseschritt ein. Erst gestern ließ ich mich an dieser Stelle über eine allgemeine Verrohung der Sitten in der politischen Auseinandersetzung aus. Und praktisch zum gleichen Zeitpunkt konnte diese Theorie ein neues empirisches Beweisstück einfahren. Aber der Reihe nach.

Gestern Abend beschloss der Riesaer Stadtrat mehrheitlich den Verkauf des Guts Göhlis an den Investor Jens Worreschk, der auf dem Gelände ein Reitsportzentrum für Turnierpferde errichten will. Ein Projekt, mit dessen Begleitumständen ich meine – nun ja – eigenen, speziellen Erfahrungen gemacht habe. Der Ausgang der Abstimmung überrascht mich eigentlich nicht, die Eindeutigkeit des Ergebnisses (22 zu 6 Stimmen) aber sehr wohl, hielt ich doch die Präferenzen in etwa auf die äußerst knappe Mehrheit von CDU/FDP einerseits und Linken, SPD, Freien Wählern, Bürgerbewegung und NPD andererseits fast gleich verteilt. Dass nun aber bis auf die Linken alle für den Verkauf votierten, war für mich jedenfalls nicht vorherzusehen. Offenbar hat das von den auf dem Gut ansässigen Vereinen offerierte Sanierungskonzept die meisten Stadträte nicht überzeugt, bekanntlich auch mich nicht. In der Demokratie entscheidet die gewählte Mehrheit und dem war gestern nun einmal so.

Die Lokalredaktion der Sächsischen Zeitung veröffentlichte das Abstimmungsergebnis zeitnah auf Facebook und was sich bis zum derzeitigen Zeitpunkt in den Kommentaren darunter findet, darf man getrost als Bestätigung meiner gestrigen These ansehen. Zum Nachlesen, auch für Nicht-Facebook-Nutzer:

https://www.facebook.com/riesasz/posts/1004108199613092

Die Anwürfe gegenüber der Redaktion und dem Investor wurden teilweise so heftig geführt, dass sich Chefredakteur Jens Ostrowski genötigt sieht, in der morgigen gedruckten Ausgabe der Zeitung einen mit „Schämt euch!“ betitelten Kommentar zu veröffentlichen. In diesem wird nicht nur die Art und Weise der im Netz geführten Auseinandersetzung thematisiert, sondern auch der Umgang der vor der Riesaer Stadthalle aufgezogenen Demonstranten mit dem eintreffenden Investor (Pfiffe, Buhrufe, angeblich auch gestreckte Mittelfinger). Sollten sich die Vorwürfe Worreschks über die Anfeindungen gegenüber seiner kleinen Tochter an einer Riesaer Schule als wahr herausstellen, wäre ein neuer Tiefpunkt der Debattenkultur erreicht. Schlimmer geht offensichtlich immer.

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