Tu felix Helvetia… (II)

Ich hatte vor einigen Wochen bereits einmal angemerkt, dass es sich durchaus lohnt, den nach Infomationen suchenden Blick nicht an den deutschen Grenzen enden zu lassen. Gestern war wieder ein solcher Moment. Es wurmt mich zwar, schon wieder einen Artikel zur Asyldebatte zu schreiben, da ich mich nur ungern thematisch verengen möchte, ich denke aber schon, dass Anlass und Inhalt einigen Erkenntnisgewinn bereithalten.

Ausgangspunkt war der Artikel „Hass ist sowas von Neunziger“ von Mely Kiyak auf ZEIT Online. Nun erscheinen Frau Kiyaks Kolumnen im dortigen Kulturressort und sind – vielleicht als bewusstes Stilmittel – immer recht simpel in Gut und Böse aufgeteilt. Wie in letzter Zeit aber immer häufiger zu beobachten, ziehen solche Beiträge eine ganze Flut an Kommentaren nach sich, im aktuellen Fall sind das zum jetzigen Zeitpunkt bereits über 200 Stück, überwiegend kritischer Natur. Und in einem fand ich dann den Verweis auf folgenden Artikel der Neue Zürcher Zeitung, der aus Schweizer Sicht geradezu schonungslos die deutsche Medienlandschaft seziert:

Minenfeld Migration

Da ich via RSS Feed ein gutes Dutzend lokaler und (über)regionaler Medien abonniert habe, glaube ich schon einen recht guten Überblick über die deutsche Berichterstattung zu haben und fühle diese durch den Artikel der NZZ äußerst zutreffend beschrieben. Zwar scheint sich in den vergangenen Tagen etwas auch bei den ganz großen medialen Dickschiffen zu ändern (ein sehr eindrucksvolles Beispiel hier), aber überwiegend werden entweder Kommentare zum Thema äußerst selten oder gar nicht erlaubt (Sächsische Zeitung, z.B. hier, Spiegel Online) oder man überlässt die Berichterstattung über das, was eben nicht nach Wunschvorstellung läuft, dem billigen Boulevard, dem Rechtsaußen-Spektrum oder dem unkontrollierbaren Wildwuchs in den Sozialen Netzwerken.

Gelegentlich entziehen sich kleinste lokale Medien dem allgemeinen Trend. Man ist unmittelbar dran an Leser und Thema, die Recherche und Diskussion findet praktisch vor der eigenen Haustür statt. Ein sehr prominentes Beispiel, da dutzendfach zitiert und verbreitet, ist der Artikel des lokalen Unternehmers Klaus Kroemke aus dem Radeburger Anzeiger, erschienen im Januar 2015.

Wie nun weiter? Der NZZ-Artikel schließt mit dem Satz:

Einwanderung verlangt einen Lernprozess, den auch Medien zu einem guten Teil noch vor sich haben.

Dem ist wohl so.

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