B 169 – Straße (zu) großer Hoffnungen

Die Lokalausgabe der „Sächsischen Zeitung“ berichtet heute über die zum Beginn des Monats Juli in Kraft tretende Mautpflicht für LKW auf dem größtenteils vierspurigen und etwa 11 Kilometer langen Abschnitt der B 169 zwischen Zeithain und Seerhausen. Ich gebe zu, dass  das Thema „Ausweitung der bestehenden LKW-Maut“ derartig im Schatten der von der CSU betriebenen Einführung der PKW-Abgabe auf deutschen Autobahnen stand, dass mich diese Nachricht schon aufgrund der Kurzfristigkeit sehr überrascht hat. Der Presseartikel streift noch die Themen Kosten, Meinung der Betroffenen etc. und kommt dann zu einem Riesaer Dauerbrennerthema: Der seit geraumer Zeit festgefahrene Ausbau der Bundesstraße bis zur Autobahn A 14 bei Döbeln. Befürchtet wird eine Zementierung des seit Jahren herrschenden Stillstands, indem eines der wichtigsten Sachargumente der für den Weiterbau Kämpfenden – die Anzahl des die Strecke nutzenden Schwerlastverkehrs – durch Schleichwege nehmende Mautsparer verfälscht und damit entwertet wird. Somit rückt wieder ein sehr leidiges Thema der Verkehrspolitik in den Fokus der Öffentlichkeit und auch einmal in meinen kritischen Blick. Denn für mein Dafürhalten wird im Hinblick auf den wenn schon nicht vier-, dann wenigstens dreispurigen Weiterbau der Bundesstraße gelegentlich etwas zu viel Erwartung investiert. Inwiefern?

Zunächst die unstrittigen Fakten. Wer einmal den durch die bis zur Autobahn gelegenen Dörfer donnernden Verkehr erlebt hat, wird die Notwendigkeit einer Umgehungsstraße sofort unterschreiben. Nicht nur, dass die Anzahl der durchfahrenden Kraftfahrzeuge, darunter viele LKW,  enorm ist, besteht auch durch teilweise sehr enge Straßen und schmale oder gar nicht vorhandene Fußwege eine hochgradige Gefährdung für Anwohner oder Fußgänger. Ich habe im letzten Landtagswahlkampf weitestgehend allein die Plakate der FDP im Wahlkreis aufgehangen und durfte trotz der meistens abendlichen Tätigkeit bei anrollendem Verkehr nicht selten Schutz im Straßengraben der B 169 suchen. Dies wohlgemerkt zeitlich begrenzt, als Dauerzustand ohne Zweifel unerträglich.

Weiterhin dürfte sich ein beschleunigter Zugang zur Autobahn günstig auf den An- und Auslieferverkehr der bereits ansässigen Firmen auswirken. Zeit ist Geld und pro Tour eventuell eine Viertelstunde oder mehr Fahrzeit einzusparen, könnte sich trotz Maut durchaus rechnen. Soweit bin ich gerne bereit, der Argumentationskette der seit Jahren bei diversen Landes- und Bundesbehörden insistierenden Bürger- und Wirtschaftsinitiativen zu folgen.

Nun aber ein großes Fragezeichen. Ein oftmals genanntes und eigentlich nie wirklich hinterfragtes Argument ist das der ausgebauten B 169 als Investorenlockmittel für Riesa. Rückt die Stadt damit in Hinsicht der benötigten Fahrtzeit an die Autobahn heran, kommt auch verstärkt die Wirtschaft in die Stadt, so die Logik. Geradezu mantraartig wird der „Autobahnanschluss“ als Standortfaktor beschworen. Und hier habe ich meine ganz großen Bedenken, ob dieser Erwartungshaltung selbst bei Vollendung der Streckenführung genüge getan werden kann. Denn: Trotz einer eventuellen Begradigung der Bundesstraße durch Ortsumgehungen und einer damit erfolgenden Beschleunigung des Autobahnzugangs: Die A 14 bleibt immer noch ca. 25 Kilometer entfernt, für An- und Abfahrt auf der dann mautpflichtigen Strecke würden pro LKW bei einer durchschnittlichen Mautsumme von 17 Cent pro Kilometer (differiert nach Größe und Schadstoffklasse) 8,50 Euro fällig. Pro LKW. Pro einmal Riesa und zurück. Warum sich dann aus Investorensicht nicht gleich näher an der Autobahn ansiedeln, zumal sich die Kommunen ohnehin in einem entgegenkommenden Überbietungswettbewerb befinden?

Natürlich spielen vielerlei andere Standortfaktoren ebenfalls ein Rolle. Nur werden diese eben weniger thematisiert und nicht in den Status eines nahezu alle Probleme lösenden Wundermittels gehoben. Nach derzeitigem Wissensstand gibt es im für die Bundesverkehrswegeplanung zuständigen Berliner Ministerium keine Anzeichen der Veränderung, in der Region aber nach wie vor viel zivilgesellschaftliches Engagement. Quo vadis, B 169?

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