Hat Riesa Redebedarf?

Seit ich vor nunmehr drei Jahren der FDP beigetreten bin, hat es mich auf so manche Diskussionsveranstaltung verschlagen. Gelegentlich als aktiver Teilnehmer auf dem Podium, in der überwiegenden Anzahl jedoch als Zuhörer. Die Themenbreite reichte von Kandidatenpräsentationen vor Bundestags-, Landtags- oder Kommunalwahlen, die Entwicklung des ländlichen Raums, den Umgang mit Asylbewerbern, die Problematik der Windkraftanlagen in Mautitz oder die Zukunft des Selbstbilds meiner Heimatstadt bzw. des Landkreises. Bei all diesen Terminen fiel mir auf, wie stark das Gelingen einer solchen Veranstaltung von der Fähigkeit der moderierenden Person abhängt und wie schnell es selbst bei nicht immer unbedingt kontroversen Themen unsachlich und persönlich wird. Manchmal hatten die Gespräche etwas Tribunalhaftes oder es wurden schon traditionelle Aversionen aus Stadtrat oder Kreistag in der Diskussion fortgeführt. Man mag sich dann als Angehöriger der lautstärkeren oder zahlenmäßig überlegenen Fraktion im Publikum bestätigt und zufrieden fühlen – für den Erkenntnisgewinn neutraler Beobachter ist das eher hinderlich. Die „Fanclubtreffen“ bei Wahlveranstaltungen waren da immer regelrechte Trauerspiele.

Mir spukt seit geraumer Zeit das Modell einer regelmäßigen Diskussionsveranstaltung zu politischen Themen Riesas im Kopf herum, um eine bessere Transparenz der Stadtpolitik einerseits und die Schaffung einer Meinungsplattform von Bürgerseite herzustellen. Nun könnte man meinen: Das gibt es alles schon. Stadtrats- und Ausschusssitzungen sind zumindestens in großen Teilen öffentlich, Vorhabenunterlagen liegen zur Einsicht aus, Entscheidungen werden per Amtsblatt veröffentlicht. Das ist sicherlich alles richtig. Nur: Man muss dem Bürger zugestehen, dass er am Studium von im Verwaltungsdeutsch verfassten Pamphleten nicht unbedingt interessiert, im Zweifelsfall sogar überfordert ist. Auch hat nicht jeder die Nerven oder die Freizeit, einer langen Sitzung  zu folgen, um endlich den interessierenden Tagesordnungspunkt zu erleben. Als mahnendes Beispiel sei die Kreistagssitzung vom 18.09.2014 genannt, als Mitglieder einer Bürgerinitiative stundenlang ausharren mussten, da dem Antrag eines Parteifreunds, die Tagesordnung umzustellen, vom Landrat nicht stattgegeben wurde.

Im Vorfeld der Landtagswahl hatte ich eine solche einmalige Veranstaltung bereits einmal grob vorgeplant und dafür beim damaligen sächsischen Staatsminister für Justiz und Europa, Dr. Jürgen Martens, für eine Teilnahme angefragt. Aus mehreren Gründen konnte das damals leider nicht verwirklicht werden. Aber der Gedanke, eine solche Gesprächsrunde zu etablieren, beschäftigt mich nach wie vor.

Natürlich ist das Ganze nicht ganz so einfach. Einer muss die Verantwortung als Veranstalter übernehmen und sollte dies die FDP Riesa bzw. ich in Person sein, greifen ganz schnell ein paar spezielle Riesaer Mechanismen. Wohl um die NPD aus städtischen Gebäuden fernzuhalten, gilt für viele geeignete Räumlichkeiten in Riesa ein Verbot parteipolitischer Veranstaltungen, da sich diverse Säle, Hallen und Tagungsorte in kommunalem Eigentum befinden. Man müsste also auf private Locations ausweichen und darüber hinaus noch die eine oder andere Auflage beachten. Ob man das zunächst in einer Art Politik-Stammtisch etabliert und es sich daraus entwickeln lässt oder erst einmal Themenfindung, Gäste- und Expertenschema herausarbeitet oder schlicht und einfach zunächst „Markt- und Bedarfsforschung“ betreibt, ist mir noch nicht ganz klar. Ein recht interessantes Modell habe ich in Berlin entdeckt – ein Beispiel für Riesa?

Für Ideen, Anregungen und Meinungen steht die Kommentarspalte zur Verfügung, dazu an dieser Stelle die Anmerkung, dass zur Spamvermeidung dort hinterlassene Beiträge manuell freigeschaltet werden.

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2 Gedanken zu “Hat Riesa Redebedarf?

  1. Hallo Sven,

    für eine Gesprächsrunde mit interessierten Menschen aus Riesa, die sich für die Geschicke Riesas interessieren und nicht nur für Ihr I- Phone, finde ich eine tolle Idee. Ich finde es auch gut, dass so eine Veranstaltung nicht unter der Regie einer Partei stattfindet. Die Leitung einer Stadt sollte nicht unter Parteiinteressen leiden. Es geht allein um die Stadt und Ihre Bürger und nicht um Parteiinteressen.
    Es wird sich schon ein kleines Lokal finden, wo eine solche Veranstaltung stattfinden kann.
    Mit freundlichen Grüßen
    Andreas Schreiber

  2. Hallo Andreas,

    vielen Dank für den Kommentar. Ich denke schon, dass es sowohl interessierte Bürger als auch spannende Themen in Riesa gibt, so dass man da am Besten mal eine kleine Ideensammlung anlegen könnte. Vor dem Herbst hätte das aufgrund der Urlaubs- und Grillsaison ohnehin wenig Sinn, es bliebe also noch genug Zeit, etwas vorzubereiten.

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