Es war einmal…

in einer kleinen Stadt an einem gar ruhig durch liebliche Lande dahinfließenden Strome. Man nannte sie die Roulette-Stadt, setzte doch die eine Hälfte der gar drolligen Bewohner immer auf Schwarz, die andere jedoch auf Rot. Aber sie wurden einst vom gerissenen Geldeintreiber des Königspalasts geknechtet, der selbst gar dunklen Spielen hold war und darob aus dem Haus gejagt wurde. Und so verloren sie all ihr Geld und wurden bitterarm. Die alte Königin war gramgebeugt aus ihrem Palast entschwunden und hatte dem jungen Prinzen Platz gemacht, der die rote Zauberin zuvor im Kampf besiegt hatte. Das Städtchen lag einsam und verwüstet im Dunkeln, reichten doch die Goldstücke der königlichen Schatzkammer nicht einmal mehr, um die Gaslampen in den Gassen zu entfachen.

Viele holde Maiden und Jünglinge hatten die Roulette-Stadt schon gen Sonnenuntergang verlassen. Nur mehr alte Mütterlein und Großväter warteten einsam in ihren Kammern auf die Ochsenkarren mit den sie umsorgenden Samariterinnen. Finstere Strolche streiften durch die Dunkelheit, auf der Suche nach Gelegenheiten, in die Hütten einzudringen. Viele sehnten sich nach dem alten Köhler, der aber in seinem Meiler nie Kohle gemachet, sondern nur zu wertloser Asche verbrannt hatte. Ach, welch kümmerliche Tage das doch für die leidgeprüften braven Menschen waren!

Und es begab sich zu der Zeit, da verkündeten Herolde das Ansinnen reicher Edelleute, in verfallenen Winkeln der Roulette-Stadt gar prächtige Rosse edlen Geblüts zu ziehen und die in den windschiefen Ställen hausenden Gilden fürstlich zu entschädigen. Doch oh, welch lautstarkes Wehklagen erhob sich! Der Bademeister stampfte auf seinem Sprungbrett mit den Füßen auf, dass er auf und ab wippte und ins Wasser zu fallen drohte, der entlassene Hofastrologe, schnöden Kaufleuten nicht hold, wollte zunächst einmal die Sterne befragen und die rote Zauberin, misstrauisch wie immer, beschloss, erst in ihre Kristallkugel aus Karl-Marx-Stadt zu blicken.

Werden die Edelleute mit ihren Rössern an den Toren der Roulette-Stadt vorbeiziehen? Wird der Bademeister in seiner Wut baden gehen? Wird der Hofastrologe gemeinsam mit dem Herzog von und zu Verwendungsnachweis weiter entgangenen Silberlingen hinterher trauern? Wird die rote Zauberin Antworten erhalten? Wird der davongejagte Geldeintreiber in seinem Garten ein weiteres Weißbier trinken? Demnächst in diesem Puppentheater!

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5 Gedanken zu “Es war einmal…

  1. Aber sag mal lieber Märchenonkel, hast Du nicht was Wesentliches vergessen? Musste das gemeine Volk in der kleinen Stadt nicht lange Zeit sehr dicken König mit Barth ertragen? Der meist etwas seltsam gar unverständlich redete und ständig von seinen blauen gelben Eunuchen schwärmte? Hatte dieser König nicht auch einen Rasputin der eigentlich Waltraut hieß und ein Köhler aus Templin war? Rasputin baute dem Dicken König Paläste und riesige Statuen und das alles ohne eigene Taler! Und als schließlich keiner dem Dicken blau gelben König und seinen blau gelben Eunuchen mehr Geld geben wollte da schickte er einen Kobold ins Casino er möge dort nach Erbsen suchen. Und erst nachdem dieser Kobold das erste Mal am Rad drehte hielt sich dieser ab sofort für einen gerissenen Geldeintreiber. Und dass auch nur weil die Gauner im Casino Ihn zunächst gewinnen ließen was wiederum den dicken blau gelben König freute!

    Und erst dann lieber Märchenonkel ging die Geschichte in etwa so weiter, wie Du sie oben erzählt hast oder ? 😉

    1. Oje, liebe Waltraud, in jenen längst verflossenen Tagen des dicken blau-gelben Königs mit Bart war der Märchenonkel noch kein Märchenonkel, sondern ein Jüngling, der den holden Schönen der Stadt nachschaute, sich zu Speis und Trank in gar erschröcklichen Spelunken herumtrieb und die Gastspiele von allerlei Gauklern, Possenreißern und erbaulichen Musikanten in Augenschein nahm. Er musste erst älter und weiser werden, um sich für Märchen zu interessieren. Aber welch frohe Kunde, wenn Barden von früheren Tagen künden! Wohlan! 😀

  2. Düstere Legenden berichten davon, dass der blau gelbe König nach dem Verlust seiner Königswürde, seine blau gelbe Rüstung an einem geheimen Ort vergraben hätte. Diese Rüstung sei verflucht, erzählt man sich hinter vorgehaltner Hand. Jeder, der sie berührt, wird vom Wahn befallen, dass nur die Farben Blau und Gelb (jüngere Quellen sprechen zusätzlich von Magenta) das ewige Seelenheil über die Menschen in dieser Stadt (und wohl auch auf der ganzen Welt) bringen könnte. Aus Furcht vor diesem Fluch erzittern die Menschen schon allein beim Anblick dieser Farben.

  3. Tja, Herr Zoppa, dies können Sie nun ändern, aber bei Rot erzittern sicher mehr Leute. Denn auch Ihre Partei sieht sich in der Ahnenlinie einer Arbeiter und Bauernpartei namens SED. An welcher Rüstung wohl ein größerer Fluch (oder auch Blut?) klebt?

  4. Ich bin mir dessen bewusst, dass Die Linke ein sehr schweres Erbe übernommen hat. Ich glaube jedoch, dass wir auf einem sehr guten Weg sind.

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