Wenn an Universitäten Politik gemacht wird

Ein sehr zum inneren Seelenfrieden beitragender Umstand eines Fernstudiums ist der räumliche Abstand zur Universität und damit zu einigen Besonderheiten studentischen Tuns. Wilde Kommilitonenpartys braucht man ab einem gewissen Alter nicht mehr und ich habe mich als „Einzelkämpfer“ beim Lernen immer leichter getan als in der Büffel-Gruppenarbeit. Genauer gesagt, habe ich die Hagener Uni im Laufe der Jahre nur zweimal aufgesucht. Einmal 2012 bei der Verleihung des Deutschlandstipendiums und einmal im Februar 2015 zur Ablegung einer mündlichen Prüfung.

Das bedeutet also auch, dass Dinge wie Studierendenparlament, AStA & Co. sowie parteiorientierte Hochschulgruppen für mich sehr abstrakte Dinge sind. Nun ist gegen die Selbstorganisation zur Wahrnehmung ureigenster studentischer Interessen nicht das Geringste einzuwenden, im Gegenteil. Man stößt oft an Probleme vielfältiger Art. Mal sind sie denen einer Präsenzuniversität gleich, mal sind sie den Eigenheiten eines Fernstudiums geschuldet, wie z. B. der Vereinbarkeit von Studium, Familie und Beruf. Geht es also um die Verbesserung des Lernumfelds, ist studentisches Engagement ausnahmslos zu begrüßen.

Etwas anders sieht die Lage aus, wenn versucht wird, Politik zu machen, nicht selten im Sinne oder gar Namen der politischen Parteien. Es gibt eine Hagener Juso-Gruppe, auch die Linken und Grünen unterhalten eigene Organisationen. Beim Ring Christlich-Demokratischer Studenten und der Liberalen Hochschulgruppe kann man zumindestens inhaltliche Nähe zur CDU bzw. FDP vermuten. Das Ergebnis ist naheliegend: z. T. recht brachial geführte Auseinandersetzungen, die oftmals weniger der Sache dienen, sondern eher die Claims des eigenen politischen Machtbereichs abstecken sollen. Und wie recht häufig im universitären Umfeld, sind die linken Positionen dabei in der Überzahl.

Ein besonders absurd scheinendes Kampfgebiet befindet sich dabei in der AStA-Publikation „Sprachrohr“. Diese Zeitschrift setzt sich zu einem nicht geringen Teil aus eingesendeten Gastbeiträgen zusammen. Kann also jeder schreiben, was und wie er mag, sofern er nicht die Grundregeln der zwischenmenschlichen Kommunikation und des politisch Zumutbaren verletzt? Mitnichten, denn in den sogenannten „Richtlinien“ des „Sprachrohrs“ heißt es:

Alle Artikel müssen namentlich gekennzeichnet und sollen in geschlechtergerechter Sprache verfasst sein. Die Redaktion behält sich vor, nicht gegenderte Beiträge nachzugendern oder zurückzuweisen.

Wenn also von dritter Hand unter der schönen Wortschöpfung „nachgendern“ politisch genehme Eingriffe in Autorentexte sanktioniert werden, ist mein persönliches Verständnis auf dem Nullpunkt. Von den nicht seltenen absurden Satzkonstruktionen als Resultat einmal ganz abgesehen.

Warum schreibe ich das alles? Nun, dies ist die zugegeben vergleichbar harmlose Variante einer bedenklichen Entwicklung an deutschen Universitäten, die mit anonymen Anschuldigungen gegen Professor Herfried Münkler von der Humboldt-Universität Berlin einen neuen, traurigen Höhepunkt erreicht hat.

Unser Professor, der Rassist

Sieht so die akademische Zukunft aus? Dann gute Nacht!

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