Von großen und kleinen Dingen – Christian Lindners Parteitagsrede in der Analyse

An diesem Wochenende fand in Berlin der 66. Bundesparteitag der FDP statt. Zieht man die mediale Aufmerksamkeit als Kriterium heran, war das für eine nicht im Bundestag vertretene Partei sehr beachtlich. Alles kam ein wenig jünger und frischer daher, wie hier sehr kurz und prägnant dargestellt:

Ich möchte mich heute gar nicht mit Detailfragen wie dem neu gewählten Vorstand, der beschlossenen Sonderumlage oder der geforderten Cannabis-Legalisierung befassen, sondern Christian Lindners Rede zum neuen Leitbild der Freien Demokraten etwas genauer unter die Lupe nehmen. Zum selbst nachhören:

Natürlich drehte sich der überwiegende Teil des Inhalts um die großen, also bundespolitischen Inhalte. Dennoch strahlen diese bis in die Kommunalpolitik ab, sei es das Thema der Einwanderung oder das der Bildung. In einer Stadt, die statistisch einen zunehmenden Anteil nichtdeutscher Einwohner verzeichnet und desolate Zustände in der schulischen Bausubstanz zu beklagen hat, darf man das aufmerksam registrieren. Von daher heißt die Aufgabe für die Basismitglieder vor Ort: Lösungen für erkannte Probleme erarbeiten und kommunizieren. Nehmen wir das Leitbild des mündigen, selbstbestimmten Bürgers ernst, heißt das im Klartext: Nicht Belehrung und Bevormundung führt zum Ziel, sondern die Berücksichtigung individueller Sichtwesen und ergebnisoffener Diskurs. Natürlich werden die harschen Haushaltskonditionen immer enge Grenzen setzen, aber innerhalb dieser sollte man alle Spielräume gründlich ausloten und gegebenenfalls auch unkonventionelle Wege beschreiten. German Mut eben.

Die fünf ostdeutschen Bundesländer sind traditionell schwieriges Terrain für liberale Politik. Zu stark wirken hier noch die Einflüsse der DDR nach. Nach Ansicht großer Bevölkerungsteile hat der Staat die Pflicht, sich um jedes noch so kleine Detail des Lebens zu kümmern. Hier das Vertrauen in seine eigenen, individuellen Fähigkeiten zu fördern, ist nach meiner persönlichen Überzeugung enorm schwer, viel komplizierter als etwa in Nordrhein-Westfalen oder Niedersachsen. Hier hilft nur konsequente Arbeit, notfalls auch gegen Widerstände.

Christian Lindner spannt hierfür einen weiten Themenbogen. Von Gründerkultur bis Steuerpolitik, von infrastrukturellen Mängeln bis zur NSA-Affäre. Für die notwendigen Debatten eine sehr gute Handreichung. Auch aus den vermeintlich „großen“ Themen lässt sich durchaus etwas für die Lokalpolitik ableiten.

Es gibt solche und solche Reden. Nicht jedem, der an ein Pult tritt, ist großes rhetorisches Geschick gegeben und das ist auch in Ordnung so. Umso angenehmer, wenn ein Parteivorsitzender eine knappe Stunde frei, pointiert und wortgewandt seine Anliegen vortragen kann. Mich hat das sehr gut unterhalten und Erkenntnisgewinn gab es gratis dazu.

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